15. August 2021 / Allgemeines

Die Stadt der Zukunft ist grün!

Klever Klimaschutzmanager und ein Experte im Gespräch

Klimaschutz fängt im Kleinen an. Und er kann sich unmittelbar auszahlen: in den eigenen vier Wänden und in der direkten Umgebung. Eine interessante Möglichkeit, das Mikroklima zu verbessern, sind Grünfassaden und -dächer. Vereinzelt wurden sie in Kleve bereits realisiert. Sie bringen viele Vorteile mit sich und haben die Argumente auf ihrer Seite, wenn es um die Stadt von morgen geht. Davon ist auch Christian Bomblat, Klimaschutzmanager der Stadt Kleve, überzeugt. Er macht gleichzeitig auf die zahlreichen Fördermöglichkeiten aufmerksam. Nils van Steenis, der Unternehmen und Privatleute zu diesem Thema berät, erklärt im Gespräch unter anderem, welche Voraussetzungen Dach und Fassade mit sich bringen müssen und wie die Pflege aussieht.

Zum einen wertet eine Dach- und Fassadenbegrünung ein Dach ökologisch auf. „Sie bieten zusätzlichen Lebensraum für Flora und Fauna", erklärt Kleves Klimaschutzmanager Christian Bomblat. Zudem verbessere sich das lokale Klima. „Begrünte Dächer heizen sich weniger auf als Kies- oder Bitumendächer. Durch die Verdunstungskühle beugen Gründächer und -fassaden im Sommer Wärmeinseln vor und reduzieren somit die Temperatur in den Quartieren." Auch Feinstaub werde aus der Luft gefiltert.

Zum anderen sorgen sie für eine natürliche Isolierung: Im Sommer gelangt die Wärme nicht so schnell ins Innere, im Winter können Heizkosten gespart werden. Ein weiterer Pluspunkt in Zeiten häufiger auftretender Starkregenereignisse: Gründächer erhöhen den Wasserrückhalt - das heißt, sie speichern größere Niederschlagsmengen übergangsweise und geben sie erst nach und nach ab. Apropos speichern: Ein 100 Quadratmeter großes Gründach nimmt mindestens etwa 80 Kilogramm CO2 pro Jahr auf, so Bomblat.

Systeme für verschiedene Dacharten

Wer sich aus den guten Gründen für eine Begrünung von Dach oder Fassade entscheidet, muss sich zunächst mit der Statik seines Hauses auseinandersetzen. Bomblat empfiehlt außerdem einen Blick in das Gründachkataster NRW, das online abrufbar ist und eine erste Abschätzung zur Eignung des Daches ermöglicht. „Zudem muss geklärt werden, ob die Dachlast ausreichend ist und ob das Dach ein Gefälle hat", erläutert Experte Nils van Steenis aus Kranenburg. Wenn das Dach komplett eben ist, sei es kein Problem. Dann benötige es aber weitere vorbereitende Maßnahmen. Ideal ist also ein Flachdach mit ganz leichtem Gefälle. „Mittlerweile gibt es auch Systeme, mit denen auch stark geneigte Dächer begrünbar sind", ergänzt Bomblat. Beide sind sich einig, dass es zudem wichtig ist, Umgebungsfaktoren wie den Schattenwurf durch andere Gebäude oder Bäume zu berücksichtigen.

Auch bei der Begrünung der Fassade sollte zunächst deren Traglast und baulicher Zustand ermittelt werden. „Zudem rate ich, die vorherrschende Windrichtung und den Einfallswinkel der Sonne einzubeziehen", so van Steenis. In Frage kommen verschiedene Arten der Fassadenbegrünung: eine bodengebundene Begrünung mit Selbstkletterern oder Gerüstkletterpflanzen oder eine fassadengebundene Begrünung mit modularen oder flächigen Systemen.

Pflegeaufwand überschaubar

Trotz der vielen Vorteile stehen viele Menschen der Begrünung skeptisch gegenüber. Ihre Vorbehalte: zu viel Laub, zu viel Ungeziefer, Schäden am Mauerwerk. Van Steenis weiß aus Erfahrung, dass die Punkte in der Regel nur bei bodengebundenen Selbstkletterern zutreffen. „Diese Pflanzen sind zwar am günstigsten, bringen aber auch einige Nachteile mit sich - etwa, dass sie sehr schnell wachsen und sich damit der Pflegeaufwand erhöht. Das trifft auf andere Systeme nicht zu." Grundsätzlich sei die Zeit, die man in die Pflege investieren müsse, überschaubar. „Fassadengebundene Systeme verfügen etwa über Bewässerungsanlagen, das erleichtert die Arbeit sehr stark." Auch habe er bisher nicht festgestellt, dass eine Begrünung übermäßig Insekten oder andere Tiere anziehe.

Fördermittel verfügbar

Sowohl Nils van Steenis als auch Christian Bomblat stellen ein gestiegenes Interesse am Thema fest. Als zusätzlicher Anreiz stehen Gelder über Fördermittel zur Verfügung. Im gesamten Klever Stadtgebiet werden die Kosten für eine Dachbegrünung mit bis zu 50 Prozent und einer Höhe von maximal 2.000 Euro bezuschusst.

Wer eine Immobilie im sogenannten Stadtumbaugebiet (in der und rund um die Innenstadt) besitzt, kann vom Fassaden- und Hofflächenprogramm des Integrierten Handlungskonzepts Innenstadt Kleve profitieren. „Antragstellerinnen und Antragssteller bekommen hier ebenfalls bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet. Die maximale Förderhöhe liegt bei 60 Euro pro Quadratmeter bzw. Kosten von 25.000 Euro", erklärt Citymanagerin Lena Börsting, die erste Ansprechpartnerin für Interessierte ist. Sie ist telefonisch unter 02821/71156-56 und per E-Mail an citymanagement@kleve.de zu erreichen.

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